Generallob und Würdigung für die, die die Düsseldorfer Prog-

Alles, was oben nicht reinpasst rund um S.O.D.

Generallob und Würdigung für die, die die Düsseldorfer Prog-

Beitragvon heiner » 29. Jul 2012, 22:08

Generallob und Würdigung für die, die die Düsseldorfer Prog-Fahne seit Jahren gegen Widerstände kämpferisch im Wind halten!

So, also wieder im Einsatz. Das ist äußerst erfreulich und heißt konkret: Endlich wieder musikalische Filigranität live. Ich freue mich sehr auf den Shades-Auftritt in Köln. Erstens ist das ein sehr schöner – für Progkonzerte auch prädestinierter – Rahmen; zweitens wird es abendfüllend! Bei meinem ersten Besuch war es schon ein Fest, dort drei deutsche Prog-Bands (aus dem erweiterten Umfeld) zu erleben, aber die Melodic-/Synfonic-Variante der Shades hat gefehlt . Zur Erinnerung: sie mussten an diesem Abend leider känzeln. Jetzt aber ist es doch soweit. Ich bin auf den Auftritt, die Umsetzung des neuen Albums sowie auf die neue Komponente in Gestalt des Bassisten gespannt und auf die obligatorischen Gitarren und Tastenteppiche der Band sowieso heiß.

Jetzt an dieser Stelle meinerseits mal was zur CD Graffity´s Rainbow, auch wenn´s gewiss schon was her ist: Selbstverständlich ist die allseits beschworene „musikalische Weiterentwickelung“ deutlich wahrzunehmen. Dynamisch und variantenreich geht es her und wie ich finde wirklich, wirklich hochkreativ. Fraktionierte, konzeptlastige Longtracks sind für mich und viele stets geeignet, in einen Kosmos zu tauchen, der hier aus großartigen musikalisch-instrumentellen Schulterschlüssen plus Dichte sowie äußerstem Abwechslungsreichtum besteht. Dieser Gesamtteppich ist bunt und fett geknüpft!! Das zunächst mal vorab. Der Anfangstrack „Battle Won“ ist schon geradezu brachial und modernmystisch – (mit super, sorry, „Eloy“ Kinofilmpassagen“) und „psychedelic Keyboard“, so muss ich das nennen. Dann am Ende(ab 9min,36sec) Hammereinstieg in den Ausstieg, unfassbare Gitarre – genau, was ich liebe! Da wird einmal mehr – äußerste Tiefe hergestellt – ein schreiende, erzählende, melodramatische Gitarre, bravo, unglaublich gut!! Lieblingstrack jedoch: „Empty Vessels“ – wunderschöner kompositorisch voll durchdachter Longtrack. Im ersten Drittel schwärmerisches „flirrendes“ Gitarrensolo, nahtlos Keyboard daran, kreativchorales, danach Basspart, alles ein schöner kompositorischer fast linearer Aufbau. Letztes Drittel dann zur Abrundung wieder Gitarren-Sahnehäubchen. Track: Cafe or Illusion: Super „Jazzy-Einstieg“ passt genau zum Titel (muss man ja auch erst mal hinkriegen, haha) bevor es dann wieder zurück in die Spur einem typisierten Ende zuläuft. Im Track „The Eterenal Recurrence Of The Same Pt. 1 wird überraschend (und wahrscheinlich völlig unfreiwillig) erstaunliche kompositorische Nähe zur Spacerockband Dice hergestellt, auf welche ich sowieso abfahre, danach wieder „Eloy-Engelsgesang“ bevor die Gitarre nahtlos sanft reingeht – dann Piano….(s.u.)… Der Track „Nemesis“ ist mir persönlich eine Idee zu pastoral-choral-pathetisch, aber trotzdem stiftet er Hörlaune, insbesondere wegen den „Streichern“ am Ende!

Die klassischen Parts sind selbstverständlich ein beachtenswertes „Novum“. Erschlagt mich, aber bedauerlicher Weise habe ich persönlich irgendwie keine ausgeprägte Antenne für Klassik generell – nur fragmental ein paar Spezifika – die Schuld liegt aber ausschließlich bei mir!! – ich schaffe es einfach nicht so mit der Klassik. Das ist etwa auch beim „Meister“ Uli Jon Roth leider ungünstig für mich. Ich genieße diesen Gitarristen zwar, was das Hendrix´sche angeht sowieso, aber ich komm mit seinem Bach- und Vivaldi Tempo-Finger-Gedöns nicht klar. Mir ist das immer zu Kirmes verpielt, sage aber: das liegt an meinem Gehirn. Jetzt aber kommt das Beste: ICH WEISS ES TROTZDEM ZU WÜRDIGEN! Wie dem auch sei: da auch toller Prog!!

Gleichwohl: Mir liegt der „dunkle“ (ernste „männliche“, dunkle wummende Basslinien) und „helle“ (weinende, manchmal kreischende, ausdrucksstarke Leadgitarre) Prog am besten – Gitarrensoli als Strecke oder Reise zum Mars eben, das also was ich besonders mag ist hier komplex und in Fülle vorhanden auf dem ganzen Album - moderne NeoProg-Strecken mit der Gitarre abmarschieren ist mein absoluter Lieblingshörsport – und das ist hier ausreichend wie „kostendeckend“ vorhanden – sehr gut!!! - aber ein Markenzeichen war´s ohnehin, wie es längst eben auch auf den Vorläufer Alben präsent war. Das schöne ist die zeitstreckenbedingte Elegie und die im Grunde nicht aufhören wollenden instrumentellen Erzählstränge unter hohem Abwechslungsreichtum. Die berühmten Tempowechsel sind nicht (wie bei vielen) der Tempowechsel halber aus Selbstzweck, sondern sie fügen sich einfach super ins Gesamtbild. Auch die stete Mischung zwischen „Old School“ und Konzept-Neoprog ist ein gelungener Turm. Die selbst bekundeten musikalischen Haupteinflüsse dieser Band sind mir persönlich ohnehin genehm. Ich mag die ständigen Genesis Retro Kaskaden, die im Prog doch oft als Restrikitv-Standard fixiert sind, nämlich nicht so übermäßig gern und komme mit dem Camel, Eloy, Kansas, Floyd….-Strang besser klar.

Also Fazit: es ist schon instrumentelle Musikalität auf hohem Niveau, was die Band auf allen Alben leistet – völlig unabhängig von Fragen der Produktionsqualität oder überkritischen „offiziellen“ Fragen mit der langen Nase, die sich für den jeweils Befragenden aus der Natur der Sache des Hobby-Modus´ ergeben. Das spielt alles keine Rolle, wenn man auf Details und Tiefe steht. Das einzige Dilemma und der dunkle Zwilling des Band-Daseins ist halt nur die tragisch-ärgerliche Biografie mit Hürden und der stete Mangel an ernsthaften Live-Auftritten in einem würdigen Rahmen über die Fläche hinaus. Ich habe bisher nur wenige Auftritte live gesehen, und die waren leider nicht so gut besucht, was allerdings nicht nur schade, sondern vielmehr eigentlich ein Unverschämtheit ist, eine Band, die es überhaupt leistet, eigene Kompositionen abzuliefern und sich nicht dem Cover-Kommerz-Diktat unterwirft, so (ehrlich?) „schändlich“ im Stich zu lassen. So bleibt zu hoffen, dass es jetzt besser wird und überhaupt die Zeiten sich irgendwann ändern. Also jedenfalls von mir an dieser Stelle nochmal: Alle Achtung – tolles neues (besonderes!) Album und: ich freu mich auf den 9.9. in Köln zum Prog 4D

Besten Gruß
Heiner
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Re: Generallob und Würdigung für die, die die Düsseldorfer P

Beitragvon walter » 30. Jul 2012, 08:30

du sprichst mir aus der seele! Klasse kommentar zur GR-CD!
Das ende von BWAL empfinde ich ebenso. Habe HAJÜ auch schon vorgeschlagen, das von dir erwähnte Ende des Titels ordentlich zu verlängern.
Ich freue mich auf den Auftritt und hoffe, dass ich es irgendwie hin bekomme, dabei zu sein. Momentan ist es nicht sicher...
Gruß Walter
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