Interview Düsseldorfer Hefte

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Interview Düsseldorfer Hefte

Beitragvon shademan » 29. Okt 2011, 22:43

Hier ein Interview von 2006 für das Düsseldorfer Kulturmagazin "Düsseldorfer Hefte".


Auf dem Weg zur Rock-Sinfonie
Im Spannungsbogen zwischen Rock und Sinfonie

Petra Becker sprach mit der Düsseldorfer Progressiv-Rock-Band Shades of Dawn, die momentan an ihrer dritten CD arbeitet und bislang als Geheimtipp gilt.

Frage: Ihr macht also "anspruchsvolle Rockmusik", wie genau definiert ihr das?

Chris Struwe: Der Begriff “progressive Rockmusik” beinhaltet eine Mischung von verschiedenen Musikstilen, unter Berücksichtigung von teils klassischen Kompositions- und Arrangement-Regeln. Und wenn man verschiedene Musikstile mixt, kommt meist was gutes Neues dabei raus. Deswegen heißt diese Musikrichtung Progressiv-Rock. Man könnte zwar sagen, diese Art von Musik ist in den 1960er oder 1970er Jahren entstanden, aber sie kann auch in der modernen Zeit weiter bestehen, wie alle guten Sachen. Gerade weil wir jetzt in einer Zeit der oberflächlichen Mittelmäßigkeit leben, muss es immer noch ein paar Leuchttürme geben, die Kultur und Niveau anstreben, und genau das versuche ich mit dieser Musik zu erreichen.

Frage: Als nächstes möchte ich Uli Moosbrugger vorstellen, der relativ neu bei Shades of Dawn ist.

Uli Moosbrugger: Ja, ich bin seit drei Monaten dabei und spiele Keyboards. Ich bin ziemlich frisch in Düsseldorf, wohne jetzt seit 6 Monaten hier. Ursprünglich komme ich aus dem Süden, genauer gesagt aus Tuttlingen.

Frage: Und wie bist du mit SOD zusammengekommen?

UM: Beim Surfen im Internet habe ich mal die Website von SOD erwischt und habe mir die MP3-Dateien mit den Stücken heruntergeladen. Ich war sofort begeistert von der Musik und dachte: Genau das ist es! Und da SOD gerade einen neuen Keyboarder suchten, habe ich mich einfach vorgestellt. Ja, und es hat dann gepasst.

Frage: Du bist, glaube ich, momentan der Jüngste in der Band?

UM: Ja, stimmt, ich habe gerade erst die 30 geschrammt.

Frage: Einige der musikalischen Vorbilder waren ja nun hauptsächlich in den 1970er Jahren aktuell, und da warst du ja wirklich noch sehr klein. Wie bist du ausgerechnet zu der Art von Musik gekommen?

UM: In den 1980er Jahren gab es diese Musikrichtung auch noch, sie war damals sogar recht verbreitet, im Gegensatz zu heute. Und in der Zeit fing ich an, bewusst Musik zu hören. Die mehr schlagzeugbetonte Musik, die etwa in Diskotheken gespielt wird, ist nie so richtig zu mir durchgedrungen. Da hat mich die progressive Musik doch mehr geprägt.

Frage: Hier haben wir Hans-Jürgen Klein, Leadsänger und Gitarrist, einen der Bandgründer?

Hans-Jürgen Klein: Nein, das bin ich nicht. Ich bin 1993 zu SOD gestoßen, als gerade ein neuer Sänger gesucht wurde. Als der damalige Bandgründer ausgestiegen ist, habe ich dann schnell seinen Part übernommen.

Frage: Kann man sagen, dass eure Musik, die ihr ja gemeinsam über die Jahre entwickelt habt, so was wie dein Baby ist, oder mit andern Worten, die Art von Musik, hinter der du als Musiker voll und ganz stehst?

HJK: Das kann man durchaus so sagen. Auch die Band selber ist so was wie mein Baby. Ich bin ja einer der Hauptkomponisten und habe sehr viele musikalische Ideen eingebracht.

Frage: Last but not least gibt es noch Peter Schneider, seines Zeichens Tastentiger. Oder wie würdest du dich selber bezeichnen?

Peter Schneider: Musiker. Und ich habe in der Band bisher Keyboards und Bass gespielt, auch gesungen.

Frage: Du willst jetzt aber nicht wieder auf Bass umschulen, weil euch gerade ein Bassist fehlt, oder!?

PS: Nein, auf keinen Fall. Bass habe ich eher in den Anfangsjahren gespielt, auch bei meiner früheren Band Grey & Pink. einer Folkband.

Frage: Gibt es so was wie einen typischen SOD-Sound? Wie würdet ihr den beschreiben?

HJK: Wir denken schon, dass es einen typischen SOD-Sound gibt. Und zwar ist der bombastisch, melodisch, anspruchsvoll. Wir legen ja Wert auf lange ausufernde Stücke, die allerdings durchstrukturiert sind, ähnlich wie in einer klassischen Komposition. Es wird also nicht einfach drauflos gedudelt, um der Länge willen, sondern bei unserer Musik ist alles durchkomponiert.

Frage: Welche Themen verarbeitet ihr schwerpunktmäßig in euren Texten?

HJK: Das ist ganz unterschiedlich. Eins unserer Stücke, “President Why”, ist eine Art Eulenspiegelei an Völker, die ihre Diktatoren trotz Kriegen und Machthunger weiterhin verehren. Wir haben auch mehrere Anti-Kriegs-Stücke im Programm. Ansonsten sind wir thematisch gar nicht festgelegt. Wir machen auch durchaus mal einen lyrischen Text, bei denen den Zuhörern Raum für eigene Interpretationen gelassen wird. Wenn es sich ergibt, schreiben wir auch kritische Texte.

Frage: Ihr schlagt also mit anderen Worten euren Zuhörern die Texte nicht wie einen Holzhammer auf den Kopf und sagt ihnen, wie er sie zu verstehen hat.

HJK: Nein, ganz sicher nicht. Bei uns steht schon die Musik im Vordergrund, wir spielen anspruchsvolle, konzertante Rockmusik zum Zuhören, und der Text ist im Grunde untergeordnet.

Frage: Uli, dich als neu hinzugekommenes Bandmitglied würde ich gerne mal fragen, wie für dich das Klangerlebnis SOD ist. Was hast du gehört, als du dazukamst, was hörst du jetzt?

UM: Mein erster Eindruck war der einer sinfonischen Rockmusik, besonders geprägt durch die zwei Keyboards, gemischt mit sehr rockigen Anteilen durch die Leadgitarre, was im ersten Moment gegensätzlich erscheint, aber gerade den Reiz der Musik ausmacht. Die harmonischen Strukturen sind insgesamt sehr ausgefeilt und abwechslungsreich.

Frage: Also ist für dich das Spannungsfeld aus sinfonischen Klängen und rockigen Elementen das Reizvolle an der Musik?

UM: Ja, genau. Und seit ich selbst mitspiele, erlebe ich die ganze Komplexität und den Spannungsreichtum der Musik von SOD.

Frage: Wie hast du dich zu Anfang der Musik genähert? Und war es für dich schwierig, dich in das bestehende Klangkonzept einzugliedern?

UM: Ich habe zuerst eine CD zugeschickt bekommen, und die habe ich durchgearbeitet. Es hat wirklich Spaß gemacht, mir meine Parts rauszuhören und nachzuspielen. Eine echte Herausforderung, und zwar eine, die lohnt.

Frage: Wie ist für dich gewesen, in eine quasi “fertige” Musik reingeworfen zu werden, und die erst mal nachzuspielen? Und wie siehst du deinen Eigenanteil an der Musik von SOD?

UM: Am Anfang ist wichtig, dass ich mich in die Art des Denkens der Musiker einfinde, also die Art und Weise, wie sie Musik verstehen, um dadurch auch meinen Standort zu gründen und zu festigen. Noch konnte ich mir, da einfach nicht genügend Zeit war, nicht das ganze Repertoire aneignen, da arbeite ich noch dran.

Frage Wir haben ja schon gehört, dass die Musik von SOD von Anfang bis Ende von euch selbst kreiert wird. Wie genau läuft der Schaffensprozess ab?

CS: Oft ist es so, dass Hans-Jürgen mit einer Idee, einer Harmoniefolge oder einer Gesangsstrophe zur Probe kommt oder auch mit einer kompletten Komposition. Manchmal bringt Peter eine Idee mit, oder ich präsentiere verschiedene Rhythmusideen, entweder rockig mit vielen Sechzehnteln oder auch jazzig, gebrochen oder gebunden. Dann nehmen wir das erst mal so auf, und sagen dann: Das gefällt uns an diesem Part, an diesem Rhythmus, das können wir noch verändern. Und so entsteht peu à peu eine Linie.

Frage: Ihr improvisiert also zunächst auf den eingebrachten Ideen, bis es klick macht?

CS: Das kommt oft vor, ja. Manchmal arbeiten wir mit verschiedenen Leitthemen und Nebenthemen, die wir miteinander verweben. Aber genauso gut kann es sein, dass jemand mit einem fertigen Harmoniekonzept kommt, wie zum Beispiel unser früherer Keyboarder, Cyrill Stoletzky, der mit “Graffity´s Rainbow” schon etwas sehr stimmiges eingebracht hat.

Frage: Peter, du hast ja vorhin gesagt, dass du dich besonders mit dem Arrangement beschäftigst. Bist du sozusagen in der Band der Spezialist dafür?

PS: Ich will nicht sagen, dass ich der Arrangeur bin. Aber ich verstehe das Arrangement wie eine Konstruktion, und da versuche ich, verschiedene Möglichkeiten auszutesten, um die Konstruktion für uns zu optimieren. Es findet eine Interaktion statt, und aus dem Spiel jedes Einzelnen entsteht das Ganze, in einer Kommunikation ohne Worte, nur mit musikalischen Mitteln. Ein Arrangement-Gerüst, das ich zu Hause entwickelt habe, wird dann als Idee von einem zum anderen weitergegeben, jeder tut etwas dazu, und während wir das spielen, kommen immer wieder neue Ideen dazu, und so erklärt sich auch, warum die Stücke so lang werden. Da wird unser ganzer kreativer Output losgelassen.

Frage: Wie stark sind eigentlich die Einflüsse der Musik, die ihr privat zu Hause hört? Man sagt euch ja gelegentlich nach, eure Musik klingt hier und da nach Genesis oder anderen Musikern speziell der 1970er Jahre.

HJK: So was spielt auf jeden Fall eine Rolle, da ja jeder auch die unterschiedlichste Musik hört, dort gewisse Einflüsse in sich aufnimmt, und die dann mitbringt. Das schadet auch nicht, denn wir versuchen ganz bewusst, das zu verarbeiten, aber uns auch wieder davon zu lösen, indem wir unsere eigene musikalische Sprache verwenden.

Frage: 1998 erschien eure erste CD, “The Dawn of Time”. Dann gab es eine lange Pause, und erst nach mehreren Jahren gibt es eine zweite Scheibe, “From Dusk till Dawn”. Darauf sind ältere Aufnahmen zu hören, richtig?

HJK: Ja, da sind unsere ersten, in dieser Form noch unveröffentlichten Aufnahmen von 1994 drauf. Jetzt haben wir ein Vertragsangebot von einem französischen Label, und wenn es nach uns geht, kann die CD so bald wie möglich erscheinen.

Frage: Warum diese lange Pause zwischen der ersten und der zweiten CD?

HJK: Der Hauptgrund liegt in den permanenten Besetzungswechseln, worunter natürlich die Kontinuität leidet.

CS: Wir mussten auch öfter den Proberaum wechseln. Und da wir ja alle tagsüber arbeiten müssen, fehlt oft die Zeit, so häufig zu spielen, wie wir es eigentlich gerne tun würden. Wir sind halt keine Profis, die jedes Jahr zwei Platten machen können. Schön wär's, aber es geht leider nicht.

Frage: Ihr seid zwar, wie du sagtest, reine Freizeitmusiker, aber wenn man euch hört, klingt ihr doch nicht unbedingt amateurhaft.

CS: Das liegt sicher daran, dass wir alle zum Teil schon seit über zwanzig Jahren in verschiedenen Bands gespielt haben. Und das Gute ist, dass wir immer weiter lernen. Die Musik hört ja nie auf. Und ich schaue mir von anderen Schlagzeugern, die ich kennen lerne, und die mir gut gefallen, bestimmte Dinge ab und mache mir das ein oder andere zueigen. Ich lasse mich gerne von guten Musikern inspirieren.

Frage: Ihr tretet ja eher selten auf. Woran liegt das?

CS: Für unsere Art Musik ist es in Düsseldorf insgesamt ziemlich schwierig. Hier sind andere Sachen mehr gefragt. Und die Auftrittskonditionen sind zum Teil sehr mäßig. Wir könnten vielleicht öfter auftreten, aber dann müssten wir bei manchen Veranstaltern noch draufzahlen, weil einfach die Bereitschaft fehlt, angemessene Gagen zu zahlen. Wir spielen sogar öfter in der “Provinz”, weil da die Konditionen besser sind. In einem kleinen Ort ist der Auftritt einer Band noch etwas Einmaliges, wo jeder hin will, während in Düsseldorf an einem Wochenende oft Dutzende von Bands zu hören sind.

Frage: Aber es wäre schon euer Wunsch, mehr live zu spielen.

CS: Grundsätzlich ist es natürlich für jeden Musiker erstrebenswert, auch live zu spielen. Das ist ja immer noch die Essenz des Musikmachens. Da erntet man, was man in den Proben gesät hat. Wenn man das, was man lernt und übt, dann vor Publikum spielt, und vor allem, wenn es den Leuten gefällt, dann ist das so, wie wenn man bei der WM den entscheidenden Elfmeter verwandelt. Dann macht es erst richtig Spaß.

HJK: Natürlich wollen wir öfter auftreten. Aber durch die häufigen Besetzungswechsel fangen wir ja immer wieder von vorne an, weil neue Musiker sich erst mal unser Live-Set erarbeiten müssen. Und das kann eben sehr lange dauern.

Frage: Aktuell fehlt euch ein Bassist, und es ist wohl sehr schwierig, jemanden für den Posten zu finden. Wie ist da im Moment der Stand der Dinge?

PS: Heute Abend haben wir zwei Interessenten für den Job als Bassist hier gehabt. Aber bisher ist noch niemand fest engagiert.

Frage: Wenn sich mal eine Frau melden würden, die gut am Bass ist, wärt ihr da aufgeschlossen?

HJK: Klar, wir sind ja keine Boygroup. (lacht) Aber anscheinend trauen sich die Frauen nicht. Jedenfalls hat sich noch keine gemeldet.

PS: Aber als wir jemanden fürs Keyboard gesucht haben, da waren auch weibliche Interessenten dabei, und zwar im Alter von 14 bis 50 Jahren ungefähr. (lacht)

CS: Früher hatten wir ja eine Keyboarderin, Annette Schepermann, die ja auch auf den meisten Tracks von „From Dusk till Dawn“ noch zu hören sein wird.

PS: Die Aufnahmen zu “From Dusk till Dawn” sind original aus dem Jahr 1994, allerdings im vorletzten Jahr komplett überarbeitet. 1998 haben wir “The Dawn of Time” eingespielt, und mit den Aufnahmen zur dritten CD sind wir auch schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Um es noch mal deutlich zu sagen: Frauen sind bei uns als Mitspieler herzlich willkommen

Frage: Würdet ihr eure Seele verkaufen, wenn jemand mit Geldscheinen wedelt, also ihr euch kommerzialisieren müßtet??

CS: Nie! Das ist wiederum der Vorteil an einer Amateurband: Wir können genau das machen, was wir wollen. Wenn wir mit der Musik Geld verdienen wollten, müssten wir auf jeden Fall Kompromisse machen, denke ich. Jeder Plattenproduzent würde in unserem Fall erst mal die Schere ansetzen und sagen: Die Dinger müssen 3,5 Minuten sein, da müssen bestimmte Rhythmen rein, das muss tanzbar sein, damit es für MTV und VIVA passt. Und für unsere Musik würde das natürlich bedeuten, dass wir unseren eigenen Stil verwässern müssten. So was kommt für uns nicht in Frage. Wir behalten lieber unsere künstlerische Freiheit.

Frage: Uli, du bist ja ein ganzes Stück jünger als die anderen. Wie sieht es hinsichtlich der Frage, ob du mit Musik mal dein Geld verdienst, bei dir aus?

UM: Das muss man realistisch sehen. Im Moment steht bei mir der Spaß an der Sache im Vordergrund. Wenn mal mehr draus werden sollte, bin ich immer dabei. Aber es nicht so, dass ich das Ziel vor Augen habe.

Frage: Der Aspekt der künstlerischen Freiheit ist für dich sicher auch ein wichtiger Aspekt. Wie sehr reizt es dich, auch eigene Ideen bei SOD zu verwirklichen?

UM: Das reizt mich schon sehr. Ich habe früher in Coverbands gespielt, aber der eigenen Kreativität freien Lauf lassen zu können, ist schon ein Privileg, das ich sehr schätze.

Frage: Ihr habt ja inzwischen euren ganz eigenen Stil entwickelt, aber vielleicht gibt es trotzdem Ansätze, vielleicht in Zukunft mal musikalisch in eine etwas andere Richtung zu gehen?

CS: Letztendlich entwickelt die Musik sich von selbst weiter. Man hat sein Fundament, auf dem man steht, aber mit der Zeit verschiebt sich alles ein wenig. Man verändert sich eigentlich fast permanent, sonst kann man sich gar nicht progressiv nennen. Meine Träumereien gehen so in Richtung Zusammenarbeit mit einem Sinfonieorchester. Aber ob das wirklich machbar ist?

Frage: Warum denn nicht? In Düsseldorf wären da ja zum Beispiel die Düsseldorfer Symphoniker, die immer sehr aufgeschlossen gegenüber neuem sind.

CS: Das wäre natürlich gigantisch. Aber ich fürchte fast, das würde an logistischen und finanziellen Problemen scheitern. Dann müsste nämlich jemand unsere Musik für Orchester umarrangieren, was wir selbst nicht können. Und so was geht richtig ins Geld.

Frage: Wer weiß, ob nicht in dem einen oder anderen DÜSY insgeheim ein Rocker steckt, der raus will, und der oder die dann sagt: Shades of Dawn und ich, das wäre toll, da bin ich sofort dabei! Kleines Gedankenspiel: Angenommen, es würde ein Kontakt zustande kommen, bleiben wir ruhig mal bei den DÜSY’s, da würdet ihr doch kaum nein sagen, oder!?

PS: Die klassischen Musiker sind ja sozusagen die Feinmechaniker unter den Musikern, das wäre für uns eine großartige Sache.

HJK: Wohin sich unsere Musik entwickelt, hängt ja auch von den neuen Mitspielern ab, die jetzt die Band noch komplettieren. Uli als gelernter Kirchenmusiker bringt da vielleicht schon ganz andere Aspekte ein.

Frage: Ihr spielt aber jetzt keine Choräle, oder!?

HJK: Noch nicht! (lacht) Aber man weiß ja nie, ob man so was nicht mal in irgendeiner Form einbaut. Wir sind grundsätzlich für alle möglichen Stile offen. Uli an der Kirchenorgel zusammen mit einer akustischen Gitarre oder auch eine Art Rock-Oratorium sind Experimente, die ich mir gut vorstellen könnte.

Frage: Peter, wie sind deine Vorstellungen hinsichtlich neuer musikalischer Wege?

PS: Nun, gerade wir mit zwei Keyboardern könnten uns noch mehr in die sinfonische Richtung bewegen. Die Arrangements könnten noch voluminöser, noch komplexer, noch wesentlich atmosphärischer werden. Die sehr rockigen Gitarrenriffs könnten ein wenig zurücktreten oder anders gesagt, wir würden dann vielleicht die Gitarre in das sinfonische Bett, das wir Keyboarder machen, sanft hineinlegen. Das progressive Rockelement wird auf jeden Fall bleiben, darin sind wir sehr stark verwurzelt.

Frage: Wie ist eigentlich bei euch beiden Keyboardern die Aufteilung oder die Gewichtung im Hinblick auf bestimmte Stilfiguren oder Klangelemente?

PS: Die Verteilung entsteht durch das Arrangement, durch unser gemeinsamen Erarbeiten der Musik. Ich sehe mich im Grunde als eine Art Orchestermusiker. Ich spiele mein Instrument, und das Instrument spielt im Arrangement eine bestimmte Funktion, die wir zusammen definieren. Dadurch entsteht eine größere Variationsbreite in der Musik.

Frage: Also kristallisieren sich deine und Ulis Anteile durch die Musik selber heraus?

PS: So kann man das ausdrücken, ja. Manche Ideen scheinen fast schon drei Keyboarder zu erfordern. Dann sehen wir zu, dass wir das sinnvoll zum Beispiel noch auf Gitarre oder die anderen Instrumente verteilen.

Frage: Kann man eigentlich sagen, dass bei euch die Keyboarder eher die verspielten, experimentierfreudigen Anteile verkörpern, während Leadgitarre bzw. Gesang und die Rhythmussektion das handwerkliche Fundament beisteuern?

PS: Wir experimentieren eigentlich alle gerne.

CS: Es geht uns hauptsächlich darum, Stimmungen zu erzeugen, Atmosphäre zu schaffen, Dramaturgie zu entwickeln. Richtige Sounds im Sinne unserer musikalischen Ideen zu finden, die das perfekt ausdrücken und vermitteln, darauf kommt es sehr stark an. Wir wollen eine bestimmte Dichte erreichen.

Frage: Stichwort Stimmungen: Ihr seid ja nicht nur eine Band, sondern ihr besteht aus Individuen, die auch schon mal persönliche Probleme oder schlicht Launen mit sich herumtragen. Wie geht ihr damit um?

PS: Ein kreativer Prozess ist nur dann gut umzusetzen, wenn man seine Probleme nicht so sehr in die Band trägt. Das hemmt doch die musikalische Arbeit teilweise sehr. Ganz kann man es natürlich nicht verhindern, aber dadurch wird ein bisschen am Niveau, in dem Augenblick zumindest, gekratzt.

HJK: Wenn man mal einen richtig bescheidenen Arbeitstag hinter sich hat, dann ist es bei mir so, dass ich mich besonders auf die Probe freue, auf den kreativen Teil des Tages, weil ich dabei den ganzen Mist hinter mir lassen kann. Wenn allerdings ein zweites Mitglied auch noch schlecht drauf ist, kann die Sache leicht kippen. Man fängt dann vielleicht an zu lamentieren, und in Emotionen zu baden, wodurch man sich fast zwangsläufig von der Musik wegbewegt. Die Kunst ist dann, wieder zur kreativen Arbeit zurückzufinden.

PS: Eine Grundvoraussetzung ist, den langen Atem zu haben, solche Phasen unbeschadet zu durchlaufen. Und den haben wir. Nur so kann man gewisse Bandkrisen überstehen. Kontinuität ist das Zauberwort.

PB: Dann wünsche ich euch, dass ihr kontinuierlich weiter mit eurer Musik Freude habt und auch Freude weitergebt. Vielen Dank für das Gespräch!
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Re: Interview Düsseldorfer Hefte

Beitragvon walter » 29. Okt 2011, 23:51

Interessant! Kannte ich noch gar nicht!
Aber damals schon(wieder) das selbe Theater: Bassist gesucht...
Gruß Walter
DAS HANF DES WO
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Re: Interview Düsseldorfer Hefte

Beitragvon shademan » 30. Okt 2011, 15:06

Ja, ich glaube das ist nie veröffentlicht worden, da die Düsseldorfer Hefte leider ihr Erscheinen einstellen mussten.

Damals waren wir gerade wieder zu viert. Klaus Lohr war übrigens einer der Kandidaten für den Bass, von denen hier die Rede ist.

Wir hatten vorher unseren Proberaum von Neuss nach Düsseldorf zurückverlegen müssen, was Zeit und Energie gekostet hat. So langsam schien es wieder anzulaufen.

2005 war gar „Dawn of Time“ Bassist Theo Labs wieder dabei, und wir spielten im DoT Line Up in Essen. Aber plötzlich kam er einfach nicht mehr, und war auch telefonisch nicht zu erreichen. Wir dachten, ihm ist etwas passiert.

Cyrill stieg Ende 2005 auch noch wegen beruflicher Überlastung aus, sodass wir im ersten Halbjahr 2006 nur noch zu dritt dastanden.
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