Interview Düsseldorfs Kultur Impuls

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Interview Düsseldorfs Kultur Impuls

Beitragvon shademan » 3. Nov 2011, 22:02

Hier ein Interview aus Düsseldorfs Kultur-Impuls, September/Oktober 2009:

„SOD türmen Klangfaszinationen in langen Kompositionen auf – als würde Richard Wagner sich intellektuell gefärbter
Rockmusik hingeben.“ schrieb die Kritik nach einem Konzert der Düsseldorfer Progressive-Rockband "Shades of Dawn“ in Jever. Seit über 15 Jahren setzen SOD in Düsseldorf Akzente, die dritte CD „Graffity´s Rainbow“ ist in Vorbereitung.
Progressive Rock, das ist die hochkünstlerische Variante der Rockmusik, die sich nicht mit einfachen Songs
begnügt, sondern komplexe musikalische Ideen entwickelt, diese ausbaut, in ebenso komplexe Arrangements packt
und aus dem musikalischen Material Rock-Epen von bis zu einer halben Stunde Länge bringt. Früher füllten die Urväter
dieser Musik – Genesis, ELP, King Crimson und andere – Stadien, heute zählt sie außer der Klassik neben dem Jazz
zur einzigen künstlerischen Musikrichtung überhaupt. Neben der von Düsseldorfer Kulturinstituten reichlich unterstützten
Kommerz-Autokratie des House, Trance, Acid und Disco-Pop vermag sie sich heute nicht zu behaupten, doch
die Gemeinde der Prog-Rock-Liebhaber ist vorhanden und wächst kontinuierlich. Immerhin haben Shades of Dawn
Fans rund um den Globus. Düsseldorfer Veranstalter haben Shades of Dawn wie auch die anderen Vertreter des Progressive
Rock leider bisher vollständig ignoriert. Wird sich dies eines Tages ändern? DKI sprach mit Hans-Jürgen Klein
über SOD und die Kunst, für Düsseldorfs Veranstalter bisher völlig unsichtbar zu sein.

DKI: Progressive Rockmusik ist - neben dem Jazz und natürlich der sogenannten Klassik - die einzige Musikrichtung, die eine künstlerische Ausrichtung hat. Warum spielt Ihr nicht in der Tonhalle, im Forum Freies-Theater und in der Freizeitstätte oder anderen Einrichtungen in Düsseldorf? Gute Bühnen gibt es doch genug.

HJK: Es gibt nicht genug Bühnen für anspruchsvolle Rockmusik in Düsseldorf. In der Tonhalle ist Rock meines Wissens verpönt, und die Freizeitstätte muß man mieten. Im FFT spielen die Bands auf kleiner Bühne im Treppenhaus. Ansonsten gibt es vornehmlich Coverbands in engen Kneipen.

DKI: Tatsächlich hat die progressive Rockmusik viele Liebhaber. Ihr habt Fans praktisch rund um den Erdball. Kann es nicht sein, dass die Musik, die früher Stadien füllte, eines Tages doch ihre Renaissance erlebt?

HJK: Natürlich. Die Leute müßten nur die Chance haben, solche Musik überhaupt hören zu können. Es gibt sie nicht im Radio, nicht im TV, sie wird von den Medien einfach totgeschwiegen, ignoriert. Die Leute, die sie zufällig entdecken sind meist überrascht über die musikalische Vielfalt und bleiben dabei.

DKI: Das Interessante an der PR ist doch ähnlich vielleicht wie bei der romatischen Musikepoche, dass die einzelnen Bands einander ähnliche Silelemente aufweisen, aber jede doch sehr individuell ist. Wie würdest Du Eure Musik charakterisieren, was macht Eure Musik im Besonderen aus?

HJK: Wir lieben den Bombast, das schwelgerische genauso wie Melodiösität, die uns sehr wichtig ist, und packen emotionale, unter die Haut gehende Musik in abwechslungsreiche Arrangements.

DKI: Wenn Ihr an Stücken arbeitet - wie verläuft der Entstehungsprozess?

HJK: Unterschiedlich. Mal kommt einer mit einer musikalischen Idee oder einem Fragment und es wird zusammen weiterentwickelt, mal jammen wir einfach los und verwenden die besten Stellen später wieder. Manchmal werden auch komplette Stücke angebracht.

DKI: Habt ihr Vorbilder, und wenn ja, fließen diese in eure Musik mit ein?

HJK: Klar haben wir Vorbilder wie Yes, Kansas, Genesis, Camel, King Crimson etc. Wir versuchen aber möglichst nichts zu kopieren. Unser Stil ergibt sich einfach so aus der Summe der Charaktere bei SOD. Wenn uns irgendetwas bekannt vorkommt ändern wir das, oder lassen es weg.

DKI: Eure neue CD "Graffity´s Rainbow" ist in Vorbereitung. Eine CD mit vier langen, epischen Stücken. Beschreibe doch mal, wie diese in mehreren Jahren entstanden ist und was das Besondere daran sein wird.

HJK: Wir haben nach der VÖ des „Dawn of Time“ Albums begonnen an neuen Stücken zu arbeiten.
Durch div. Besetzungswechsel konnten wir aber nicht kontinuierlich arbeiten, sondern mußten oft mit neuen Musikern unser Live Set einstudieren. Dies verzögerte den Entstehungsprozess der neuen Stücke erheblich. Das Besondere daran sind vier lange, unterschiedliche und noch bombastischere Stücke, wobei das mehrteilige Titelstück orchestrale Partituren von Schubert und Mussorgsky aufgreift und diese geschickt in den SOD Sound einbindet. Ein Werk in dieser Form ist uns von einer deutschen Band bislang noch nicht bekannt.

DKI: Eine Band mit solch komplexer Musik muss sich leider - wie dies bei vielen anderen auch der Fall ist - im Laufe der Jahre mit häufigen Besetzungswechseln abfinden. Wie kommt Ihr damit zurecht?

HJK: Einerseits kamen recht gute und kreative Musiker in die Band, andererseits ist es schon frustrierend immer wieder von vorne anfangen zu müssen. Eben weil unsere Musik nicht mal eben so nebenbei einzustudieren ist kostet uns das Ganze auch immer viel Zeit und Energie, die wir natürlich lieber für Auftritte und weitere CD Veröffentlichungen nutzen würden.

DKI: Ist es nicht schwierig, quasi nach Feierabend hochwertige komplexe Rockmusik zu komponieren und vorzubereiten? Das ist doch eigentlich eine Lebensaufgabe.

HJK: Durchaus, es wird bei den steigenden Anforderungen im Berufsleben immer schwieriger. Man spielt eben nicht mehr den ganzen Abend Gitarre, komponiert, arrangiert, textet. Das ist seltener geworden. Außerdem müssen ja Auftritte gebucht werden, CD’s promotet etc. Die komplette Öffentlichkeitsarbeit halt. Das kostet viel Zeit.

DKI: Derzeit ist bei Euch der Bass wieder vakant. Wie lange wird es dauern, bis Ihr langfristigen "Ersatz" gefunden habt?

HJK: Keine Ahnung. Interessenten können sich gerne bei uns melden.

DKI: Würde sich "Shades of Dawn" kommerzialisieren, um eines Tages doch noch in die erlauchte Rotunde der Tonhalle zu kommen, wo weiland die Hip-Hopper-Acider-Rapper den Ton angeben?

HJK: In die Tonhalle müßten wir eigentlich jetzt schon kommen, hat man uns doch z.B. in Jever gar mit Wagner verglichen: „SOD türmen Klangfaszinationen in langen Kompositionen auf – als würde Richard Wagner sich intellektuell gefärbter Rockmusik hingeben.“ Aber mit künstlicher, moderner, seelenloser „Musik“ - die unseres Erachtens meist gar keine ist - wollen wir nichts zu tun haben.
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Re: Interview Düsseldorfs Kultur Impuls

Beitragvon walter » 4. Nov 2011, 09:55

Hallo HaJü
Interessant, was du da noch an Interviews hervor holst!

Überall und immer wieder taucht EIN Problem auf: Es wird gerade ein Musiker gesucht! Meistens ein Bassist, gelegentlich auch mal ein Keyboarder. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Band-History.
Gruß Walter
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