Interview mit S.O.D. für den Musikzirkus (2007)

Alles, was oben nicht reinpasst rund um S.O.D.

Interview mit S.O.D. für den Musikzirkus (2007)

Beitragvon walter » 24. Okt 2011, 13:47

Hallo Musikfans
Ist zwar schon einige Zeit her. Ich finde aber trotzdem ist das Ganze noch lesenswert!
Im Frühsommer 2007 habe ich für den "Musikzirkus" per etlichen Mails ein Interview mit der Düsseldorfer Band "Shades of Dawn" ,bzw. mit deren Gitarristen und Kontaktmann Hans-Jürgen Klein durchgeführt.
Dies war für mich völliges Neuland, habe sowas vorher noch nie gemacht. Im Nachhinein muss ich sagen, trotz der räumlichen Entfernung und des dadurch doch eher schleppenden Vorankommens, hat mir das Ganze doch Spass gemacht! H.J. hat die Fragen mit in den Übungsraum genommen und dort haben er und Chris Struwe die Fragen beantwortet. Hier also jetzt das Endergebnis:

Wie kam es zur Gründung eurer Band?
Hans-Jürgen Klein: Ich kam 1993 dazu als die Düsseldorfer Band KAWUMM einen Sänger suchte. Mir gefiel die Musik - aber der Name nicht, und so benannten wir uns in Shades of Dawn um.

Wie würdet ihr eure Musik selber beschreiben?
HJK: Die Band spielt anspruchsvolle, bombastische, melodiöse, progressive Rockmusik zum Zuhören in der Tradition von Bands wie Yes, Pink Floyd, Camel, Eloy etc.

Was gibt es aktuell als wichtigstes von eurer Seite zu berichten?
HJK: Nun, die Band ist nach längerer Durststrecke jetzt endlich wieder komplett. Wir haben zwei neue Musiker an Bord und können nun wieder live spielen. Außerdem ist endlich „From Dusk till Dawn“ erschienen, was sich ja leider auch recht lange hingezogen hat. Darüberhinaus arbeiten wir schon eine ganze Weile – mit Unterbrechungen – an unserem dritten Album, welches wir nun auch langsam mal fertigkriegen wollen.

Berichtet über die Entstehung eurer neuen CD
HJK: Wir haben gleich nach der Fertigstellung der Mixe für „From Dusk till Dawn“ mit den Aufnahmen zum neuen Album begonnen. Da wir zu der Zeit nur zu viert waren, haben unsere früheren Mitmusiker Chris Wälter und Eddy Schmidt den Bass eingespielt. Zwischenzeitlich kam dann noch Bassist Theo Labs zur Band zurück, aber nach ein paar Monaten verschwand er ganz plötzlich wieder. Cyrill Stoletzky – der zweite Keyboarder und Pianist – verließ uns dann auch noch. Theo spielt auf den neuen Stücken nicht mit, aber Cyrill will immer noch die zweite Hälfte seines 20 Minuten Epos „Graffity’s Rainbow“ einspielen. Das Stück ist recht anspruchsvoll und enthält klassische Zitate von Modest Mussorgsky, raffiniert in den SOD Sound eingebettet. Die anderen drei Stücke sind zwischen 12 und 15 Minuten lang. Durch die ständigen Besetzungswechsel kommen wir leider nicht so zügig vorwärts, wie wir uns das wünschen.

Warum habt ihr bisher so wenig CD’s gemacht?
HJK: Nun, zum einen durch die immer wiederkehrenden Line up Probleme. Es hält halt wahnsinnig auf und dauert ewig lange, neue Musiker zu finden, die zu dieser Art von Musik passen und wir fangen quasi immer wieder von vorne an, indem wir diese erst mal in unser Live Set einarbeiten. Weiterhin gab es auch finanzielle Gründe. Da wir ja die komplette Produktion von der Aufnahme über die Albumartwork bis hin zur CD Pressung vorfinanzieren mussten ist das natürlich auch ein Faktor, der die Produktivität hemmt. Die Kohle muß ja schließlich auch wieder reinkommen.

Wieso habt ihr „From Dusk till Dawn“ erst jetzt herausgebracht?
HJK: Wir sind damals nicht ganz fertiggeworden mit der Produktion. Dann verließen uns Wolfgang Schmidt und Annette Schepermann und zwei neue Musiker kamen zur Band, die sich für die Aufnahmen nicht interessierten. Wir haben das Ganze dann später erst optimiert, neu abgemischt und gemastert. Dann gab es wieder finanzielle Probleme, das Booklet kam nicht rechtzeitig ran etc. Wir bräuchten also auch noch einen finanzkräftigen Produzenten, lach.

Entsteht eure Musik gemeinsam, oder gibt es „die“ treibende Kraft?
HJK: Das ist unterschiedlich. Für „The Dawn of Time“ habe ich z.B. vieles gemacht und den anderen vorgestellt, auf „From Dusk till Dawn“ gibt es noch viele Ideen vom verstorbenen früheren Bandleader Wolfgang Schmidt. Wir jammen aber auch gerne mal drauflos, und wenn dann zufällig ein Tape mitläuft verwenden wir die besten Ideen schon mal für neue Stücke. Sehr viel Zeit geht aber immer für unsere aufwendigen Arrangements drauf.

Seid ihr auch bei Myspace vertreten?
HJK: Ja, aber leider haben wir noch zu viel wenige Besucher....

Gibt es Bands/Musiker die für euch prägend waren und wenn ja, welche waren dies?

Chris Struwe: ELP, Genesis, Pink Floyd, Frank Zappa waren das bei mir.

HJK: Bei mir waren das u.a. Yes, Kansas, Camel, Jane, Uriah Heep, Styx, Ian Gillan

Gibt es schon evtl. Projekte für die Zukunft?
HJK: Nun, wir treten im August mit der neuen Besetzung wieder auf, weitere Konzerte sind derzeit im Gespräch. Außerdem wollen wir natürlich bald mit CD No. 4 beginnen.

Gibt es aktuelle Musik, die euch gefällt?
CS: Neal Morse, Flower Kings, Transatlantic

HJK: Ja, Neal Morse natürlich und Spock’s Beard als er noch dabei war, Transatlantic, Dream Theater, oder die deutsche Band Morphelia. Falls du mit ‚aktuell’ Sachen aus den Charts meinst, lautet die Antwort nein. Da gefällt mir gar nichts.


Gibt es „Seitenaktivitäten“ (z.B. in anderen Bands)?
CS: Ab und zu ja. Ich habe z.B. mal beim Musiktheater Spirenzio als Schauspieler mitgemacht, mit SOD Keyboarder Peter Schneider GLP, das „Genesis Live Project“ betrieben und mit den Ex SOD Musikern Wolfgang Schmidt, Annette Schepermann und Karl Nothen nach deren Ausstieg weiterhin zusammenmusiziert. Außerdem haben Peter Schneider, Karl Nothen und ich an einer viel beachteten Benefiz Aufführung von Pink Floyd’s Album „The Wall“ mitgewirkt.

Seht ihr euch lieber mehr als Live- oder Studioband? (Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zum Publikum?)
CS: Live spielen macht am meisten Spaß!

HJK: Wir sind ganz klar eine Live Band. Ansonsten würden wir nicht so viel Zeit mit der Einarbeitung neuer Musiker in unser Live Set verbringen, sondern eher zu dritt neue Stücke aufnehmen und mit Gastmusikern arbeiten. Der Kontakt zum Publikum ist uns sehr wichtig,
wir freuen uns immer über nette Gespräche nach der Show, oder natürlich auch über Fan Mails und Gästebucheinträge die uns erreichen.


Sind live Auftritte geplant, evtl. auch eine ganze Tour?
HJK: Eine Tour können wir so ohne weiteres nicht machen, da wir ja berufstätig sind.
Aber mehr Livegigs beabsichtigen wir durchaus zu machen.


Seid ihr zufrieden mit eurer derzeitigen Situation, oder wo seht ihr Verbesserungsbedarf?
HJK: Es besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Wir bräuchten viel mehr Unterstützung.
Außerdem bräuchten wir z.B. einen Promoter, einen Booker, einen neuen Texter, einen neuen Live Mixer....Wenn man alles selbst machen muß, geht das ganz klar zu Lasten der Musik.


Wieso Texter, textet ihr denn nicht selbst?
HJK: Doch, schon. Aber wir hatten mal einen schottischen Texter, und der hat uns Texte wie z.B. „Threads of Reality“ zur Verfügung gestellt. Das hat unsere Arbeit schon ziemlich erleichtert.

Gibt es eine/n Band/Musiker mit der/m ihr mal gerne zusammen spielen möchtet?
CS: Mit den Flower Kings

HJK: Auftreten mit Eloy oder Jane.

Ich plane immer noch mal was mit Keyboarder Wolfgang Täffner von „Cromwell“ zusammen zu machen. Ein Progressive Rock Projekt.


Welche Musik hört ihr selbst am liebsten? (Nennt 3 Platten „für die Insel“.)
CS: ELP – Welcome back my friends
Genesis – Second’s out
Genesis – Selling England by the pound

HJK: Ich will auf gar keine Insel, hilfeeeee.
Hm, nur 3 Platten? Das ist doch viel zu wenig. Darf ich wenigstens eine Gitarre mitnehmen?
Wo kann ich das wieder canceln?
Kansas – Song for America
Spock’s Beard – Beware of darkness
Quasar Lux Symhoniae – Abraham, One Act Rock Opera


In diesem Forum wird insbesondere sehr viel über Krautrock diskutiert. Was verbindet ihr zu diesem Begriff? Hat/te diese Musik für euch Relevanz?
HJK: Klar, Bands wie Jane, Eloy, Grobschnitt, Birth Control, Wallenstein, Pell Mell, Ramses, Triumvirat etc. hatten natürlich eine besondere Relevanz. Man kann nicht immer nur alles aus dem Ausland hochjubeln und die Künstler vor der Haustüre ignorieren. Schade nur, dass die Plattenfirmen das internationale Potential der meisten Bands nicht erkannt haben. Die sind sogar in Ländern wie Irak oder Marokko bekannt. Ich finde es toll dass es Bands wie Anyone’s Daughter, Sahara, Ramses, Ougenweide oder Hölderlin wieder gibt. Die neue deutsche Welle hat ja leider die meisten guten Bands gekillt damals.

Außerdem machen wir ja auch Kraut Rock. Ich esse zwar kein Sauerkraut....lach


So, das wars vorerst, Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg weiterhin mit eurer Musik! Walter

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Gruß Walter
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