Neues Grundthema zum Mit"forschen" - was ist gute Musik?

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Neues Grundthema zum Mit"forschen" - was ist gute Musik?

Beitragvon heiner » 6. Apr 2012, 17:55

Neues Grund-Thema zum Mitdiskutieren bzw. Mit“forschen“:
Zappas Gitarre oder Techno von Scooter – was macht “Das Andere” so unerträglich; was ist gute Musik, was ist richtige Musik?? Gibt es Ein Oben/Unten – ist Volksmusik Musik?


Ich möchte an dieser Stelle einmal die – wie ich finde - richtungskulturell enorm wichtige Diskussion eröffnen, inwieweit es eigentlich möglich ist, eingefahrene akustische Gewohnheiten FREIWILLIG zu modifizieren oder gar zu Durchbrechen in Gestalt einer „neuen Offenheit“. Dies dann im eigenen Interesse zwecks Erweiterung des Reservoirs und analog dazu einhergehendem Gewinn diversifizierter Lebensqualität. Was könne dem Sich-Öffnenden im schlimmsten Falle passieren, wenn man sich etwa vom Schlagergenre auf vermeintlich filigranere Musik inklusive ausgedehnterem Instrumentalpart mutig einzulassen beginnt?

Persönlich bezeichne ich mich als reinen Konsumenten JEGLICHER gespielter Musik, aber eben Filigran-Konsument, der zudem im Kern JEDERZEIT offen ist für jegliche neue Genres und Sounds. Die hingegen, die sich umgekehrt im Grundsatz neuen, ungewöhnlichen Musikalien gegenüber versperren, was sind diese? JEDERZEIT verschlossen und neuronal verkrustet?

Kann es einen objektivierbaren Maßstab überhaupt geben bzw. ist es möglich, sich einem solchen zumindest anzunähern? Das könnte an dieser Stelle im Forum ja einmal sukzessive geklärt werden? Kann es hinsichtlich musikalischer Grabenkämpfe und Konflikte im Spannungsfeld zwischen Hansi Hinterseer und Zappa ein Besser/Schlechter oder ein Oben/Unten bzgl. Musikvorlieben geben. Ist ein zappaesk- oder gar Wagner-Angehauchter ein filigraner Geist als ein Olaf-Henning/Jürgen Drews Mallorca-Yunkie?

Da es sich bei Musikpräferenzen augenscheinlich um ein kardinales, ganzheitlich und im Kontext mit anderen Vorlieben und Gedankenstrukturen zu bewertendes Individual-Merkmal handelt, müsste es folgerichtig einen objektiven Maßstab, namentlich irgendetwas etwas Messbares wohl nicht geben? Und: Was macht eigentlich „gute Musik“ aus? Diese Frage ansatzweise klären zu wollen, öffnet erst den unfassbaren Ozean der nicht quantifizierbaren Parameter der Subjektivität und ist somit selbstverständlich müßig. Wenn wir anstelle der subjektiv erfahrbaren Leidenschaften auf Anhieb einen objektivierten Begriff zugrunde legen könnten, könnte man sich dieser Frage einkreisend bis zur finalen Schlussfolgerung nähern und wäre mit absoluten Erkenntnissen reich beschenkt. Es könnte dementsprechend fahrlässig sein, sich dieser wahrscheinlich „ewigen Aufgabe“ resignativ nicht zu widmen.

Lehnt man als potenzieller Konsument etwas per se ab, dann muss es sich für den Absender der Ablehnung nicht zwangsläufig als grauenhaft darstellen, sondern kann auch damit zusammenhängen, dass man in unterschiedlichen Feldern einfach zu viel Ablehnung als Mensch in sich trägt. Oft ist es – nach oft zitierter Typologie – nämlich die grundsätzliche Angst, den eigenen Dunstkreis zu sprengen und sich als dann Überforderter im Niemandsland wieder zu finden, also ein Grunddilemma innerhalb der Persönlichkeit.

Im letzten Abschnitt möchte ich der Plastizität halber einmal fragen, wieso ein Schlager-Anbeter ein Zappa geprägtes Violinen-Solo nicht verkraften kann oder wieso ein käsesatter Rotwein-Geschwängerter Klassik-Liebhaber die Melodieläufe einer Zappa-Gitarre nicht verträgt, aber die düsteren Wirren eines Orchesters etwa bei „Peter und der Wolf“ sehr gern verarbeitet. Was ist es, was ein avantgardistisches Saxofon-Solo einem Hansi-Hinterseer-Fan so unerträglich macht? Warum kann ein Psychedelic-Freak die simpel-heile Gefühlswelt der Schlagertexte nicht adaptieren? Wieso heißt es immer wieder:...“NEEEEEE, mach mal den Scheiß weg - mach mal bessere Musik…“?

Letztendlich wäre nichts Geringeres zu klären, als die Frage, wieso die für manche minderwertigere Musikkultur der „Superstars-, Ballermann-, Techno-, Schlager- Bumm-Bumm-Fraktion, namentlich vermeintliche „Betäubungs- und Verrottungskultur“ so einen fulminanten Siegeszug feiern DARF, WÄHREND „ernsthafte“ Musiker stets auf der Strecke bleiben?

Worum geht es also im laufenden Konflikt? Geht es um das jeweilige ungeliebte Instrument, was einem „Gegner“ nicht verkraftbar erscheint? Geht es gar um den freien Oberkörper von Zappa auf der Bühne? Ist es die Lautstärke? Ist es der allgemeine Modus? Sind es negative Gefühle, die man mit einer Passage oder einem Genre ohnehin in Verbindung bringt? Wo ist der Unterschied und wieso können manche sich PRINZIPIELL nicht auf DAS FREMDE einlassen, obwohl es u. U. deutlich mehr Substanz aufweisen würde.

Ich würde bei all diesen Fragen hierzu gern einmal eine Grundsatz-Diskussion anregen einfach nur um zu verstehen! Und vielleicht macht jemand bereichernd mit!
Vielen Dank
Gruß Heiner
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Re: Neues Grundthema zum Mit"forschen" - was ist gute Musik?

Beitragvon walter » 6. Apr 2012, 20:24

Oha, ganz schön viel Text und viele Fragen.
Zappa= notfalls; Scooter= eher nicht

Bei mir schauts folgendermaßen aus:
Ich mag sehr gern etwas ausufernde Titel, also deutlich über Single-Länge. Da sowas sogut wie nie im Radio zu hören ist, höre ich auch wenig Radio.
Vieles, was man dort neben News/Wetter/Verkehrsmeldungen noch angeboten bekommt, geht für mich gar nicht. Musik hat für mich was von Handwerk. Da gehören Musiker zu, die ein (oder mehrere) Instrument(e) spielen und singen. Nicht irgendwelche Retortentöne aus dem Computer. Genau so klingt aber vieles, was sich heute in den Top 50 tummelt! Oder es fehlt jegliche Virtuosität: Wenn ich einen Titel höre, stumpf im 4/4 Takt und ich denke, jedes Instrument, was ich da höre, könnte ich nach spätestens 1 Stunde auch so spielen- Dann ist mir das einfach langweilig und kein Genuss, wo sich das "richtige" Zuhören lohnen würde. Ich mag also so genannte Musik zum Zuhören.
Es kommt aber immer darauf an, was man eigentlich bezwecken will! Will ich auf einer Party die Leute tanzen sehen, geht "meine" Mucke irgendwie nicht. Da ist dann das stumpfe 4/4-Takt Gelärme in 3-Minuten-Länge genau das, was ankommt. Am Besten noch olle Dinger aus den 70er und 80er Jahren, da können dann auch noch alle ordentlich mitgröhlen. Wenn dann noch Oma und Opa dabei sind, darfs auch gerne noch ein Schlager mit deutschem Text sein (alleine beim Gedanken an solche Veranstaltungen schüttelts mich!). Andererseits: Wenn ich so mit bekomme, was meine Tochter (11 Jahre) so hört, gruselts mich auch ein wenig! Das geht auch so in die Richtung, wie oben beschrieben: Langweilig, Retorte, auf dem CD-Cover irgendwelche Pappnasen und Hupfdohlen, die mit der Musik nix zu tun haben- im günstigsten Fall singen (?) die dann, von viel Technik unterstützt, den einen oder anderen Titel.

Also: Rock, Prog, Psychedelic und so'n Kram geht bei mir gut. Blues geht stimmungsabhängig mal ja, mal nicht.
Pop, Hitparadengedöns, Techno: Wenn ichs zufällig höre, kann ich damit leben, mehr nicht
Klassik: Ausgesuchte Sachen sind ok, vieles kenne ich aber garnicht. Sofern dann dort so genannter Gesang dazu kommt, hilft nur die Skip- oder Stopp-Taste. Oper/Operette : NIEMALS!
Rap und ähnliche Spielarten: Unmöglich! "Stotterneger in zu großen Hosen" sind nichts für mich!Da geht auch nur Senderwechsel oder CD anmachen.
Gruß Walter
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